Die Übernahme von Verantwortung durch Führungskräfte ist für jede Organisation, unabhängig ob Unternehmen oder Ehrenamt, notwendig. Insbesondere in Ehrenämtern ist es teilweise schwierig geworden, entsprechende Führungskräfte zu finden, die bereit sind, sich der Verantwortung zu stellen. Der Vorstand des Waldbrandteam konnte mit einer vierteiligen Reihe gemeinsam mit einer externen Trainerin einen neuen Weg beschreiten, der für den Bereich der Feuerwehren aktuell einmalig ist.
Das Waldbrandteam führte an vier Abenden über einen Zeitraum von vier Monaten eine entsprechende Fortbildung für seine Führungskräfte durch. Die Teilnehmer haben auf der einen Seite im Verein eine entsprechende Aufgabe übernommen, teilweise haben sie schon entsprechende Qualifikationen in ihrer Feuerwehr erworben und wurden dementsprechend eingeladen. Insgesamt haben jeweils etwa 15 Teilnehmer mitgewirkt. Hierbei stand nicht wie an den Feuerwehrschulen in der Bundesrepublik die Zielvorgabe „Die erfolgreiche Teilnahme befähigt, eine Freiwillige Feuerwehr in organisatorischer und verwaltungsmäßiger Hinsicht zu leiten.“ Im Mittelpunkt, sondern die Führungskraft an sich. Hierfür konnte der Verein Franziska Pretsch aus den USA gewinnen.
Franziska ist systemische Mentorin und Trainerin. Ursprünglich stammt sie aus dem Süden Deutschlands, lebt und arbeitet aber seit vielen Jahren im Ausland, nunmehr seit 4 Jahren im Nordwesten der USA im Bundestaat Oregon. Nach einem Studium „Soziale Arbeit“ und Tätigkeiten als Leitung eines Kindergartens und Social Worker hat sie sich vor mehreren Jahren selbstständig gemacht. Ihr Mann ist Wildland Firefighter und sie hat dementsprechend einen persönlichen Bezug zu dem Thema. Somit weiß sie, wie mit diesen Einsätzen umzugehen ist und was dies mit dem Menschen macht. Auch wie es ist, davor und danach für den Partner da zu sein und diesen zu unterstützen.
In den verschiedenen Modulen, die aus jeweils etwa 2-stündigen Videokonferenzen mit einer Mischung aus Vorträgen und Aufgaben mit anschließender Vorstellung und entsprechender Diskussion bestanden, ging es nicht um die „Verwaltung und Organisation“ durch die Führungskraft. Ihr Ansatz hierbei ist, sich um den Menschen hinter der Führungskraft zu kümmern. Die Ansätze „Warum führe ich? Wie gehe ich mit dem Druck, dem Stress um? Was fordern Einsätze als Mensch von mir? Was und wie beeinflusst meine Rolle als Führungskraft meine Familie / Beziehung?“ stehen hier im Vordergrund.
Hierbei wurde im ersten Modul, welches unter dem Aspekt „Fundament – Identität – Dein Warum“ auf der einen Seite und der Unterschied zwischen „Leader“ und „Boss“ erarbeitet. Im weiteren Verlauf des Moduls stand auch für die Teilnehmer die Aufgabe, sich ein Manifest zu geben. Hierbei sollte jeder etwas individuell festhalten, was er mitbringt und ihn ausmacht und warum er Führungskraft ist oder sein möchte. Dieses Manifest wurde in jedem der folgenden Module passend zum Thema erweitert.
Das zweite Modul dreht sich um das Thema „Führung unter Stress – Innere Stabilität“. Hier wurden Ursachen und der Umgang mit Stress sowie die eigenen Verhaltensweisen betrachtet. Hier konnten sich die Teilnehmer über Möglichkeiten der Reduzierung von Stress austauschen und sich gegenseitig sensibilisieren.
Der dritte Teil der Fortbildung handelte von der Kommunikation. Wie entwickeln sich kommunikative Beziehungen unter Druck und wie wirkt sich dies auf die Teamdynamik aus. Hierbei wurde auch das bekannte Modell „Vier Seiten einer Nachricht“ betrachtet. Kommunikationsmuster und Fragetypen wurden entsprechend eingebracht und deren Vor- und Nachteile beleuchtet.
Das vierte und abschließende Modul betrachtete den Bereich „Familie / Partnerschaft“ der Führungskraft nach dem Einsatz. Wie wirkt sich dies hier aus? Wird hier anders agiert als in der Funktion? Auch wurde der Aspekt der „Fragen, die niemand stellt“ betrachtet. Viele Themen werden nach einem Einsatz als selbstverständlich angesehen. Hier aber wurde auch hinterfragt, ob dies tatsächlich so ist und wo die Einsatzkraft und deren Familie dabeibleiben. Hierzu wurden Übergangsrituale vom Einsatz zur Heimkehr besprochen und individuelle Möglichkeiten erarbeitet.
Abschließend war die Meinung der teilnehmenden Mitglieder, allesamt Feuerwehrmitglieder in Berufs- und freiwilligen Feuerwehren quer über das Bundesgebiet verteilt, dass diese Art von Führungskräftefortbildung einmalig war in ihrer Laufbahn. Etwas vergleichbares wird für Führungskräfte in der deutschen Feuerwehr nicht angeboten. Zudem haben sich viele Ansatzpunkte ergeben, wie sich jeder auf seine Art verbessern und entwickeln kann und somit auch das Team mitnehmen und stärken kann. Auch würde man eine Wiederholung oder Vertiefung begrüßen.
Alle Teilnehmer kamen aber auch überein, dass es innerhalb von bestehenden Strukturen schwierig ist sich als Person zu ändern und dies zu etablieren bzw. dass positive Veränderungen von anderen durch eine Vorprägung teils nur schwer wahrgenommen werden.
Wer sich für die Arbeit von Franziska interessiert oder ein vergleichbares Seminar mit ihr planen oder bei ihr belegen möchte kann sich über ihre Homepage https://franpretsch.com/de/ über sie informieren oder sich über info@franpretsch.com mit Ihr in Verbindung setzen. Wir können diesen „neuen Weg“ nur empfehlen und bedanken uns für die Zusammenarbeit und hoffen auf weitere Projekte mit ihr.


